Mentale Gesundheit im Kontext orthopädischer Versorgung
Psychische Belastungen bei orthopädischen Erkrankungen sind nicht selten. Schmerzen, Einschränkungen im (Berufs-)Alltag und Sorgen sind belastend. Die Prävalenz von Depression, Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörung (z. B. bei komplexen Traumata) ist deutlich erhöht. Psychische Komorbiditäten können zu Problemen bei der Adhärenz führen, nachweislich funktionelle Ergebnisse verschlechtern, Schmerzen, Komplikations- und Rehospitalisierungsraten erhöhen und zu geringerer Patientenzufriedenheit führen. Die mentale Gesundheit wird deshalb in der orthopädischen Versorgung immer im Blick behalten – in der orthopädischen und physiotherapeutischen Praxis gleichermaßen wie in der medizinischen Rehabilitation.
Referierende
Psychische Belastungen in der orthopädischen Praxis
In der orthopädischen Praxis werden Menschen behandelt, die auf Grund ihrer schmerzhaften Erkrankungen auch psychisch belastet sind. Und es kommt vor, dass die Patienten ganz unabhängig von der orthopädischen Erkrankung psychische Komorbiditäten aufweisen. Die üblichen Behandlungszeitfenster zur Diagnose und Therapie reichen hier oft nicht aus, um die Gesamtsituation der Betroffenen ausreichend gut zu erfassen. Auch kann die Therapie-Adhärenz durch Komorbiditäten eingeschränkt sein. Wichtig für die orthopädische Weiterbehandlung ist deshalb eine zusätzliche psychologische bzw. psychiatrische Diagnostik und ggf. parallele Behandlung. Ideal ist hier eine gute interdisziplinäre Kooperation.
Bewegungstherapie und Psyche
In der Bewegungstherapie können psychische Belastungen Effekte negativ beeinflussen, weil Patient:innen weniger motiviert sind, die Bewegungsempfehlungen in ihrem Alltag umzusetzen. Auf der anderen Seite wirke Sport und jegliche körperliche Aktivität positiv auf die emotionale Befindlichkeit, können Stress reduzieren und wirken deshalb nicht nur präventiv sondern auch kurativ auf Depression und Ängstlichkeit. Diese wechselseitigen Zusammenhänge werden im Vortrag näher beleuchtet und die notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit betont.
Psychologische Angebote in der orthopädischen Rehabilitation
Auch in der orthopädischen Rehabilitation gibt es Menschen mit psychischen Belastungen und Störungen. Sei es aufgrund eines traumatischen Unfallereignisses, chronischer Schmerzerkrankungen oder psychosozialen Belastungen nach operativen Eingriffen. Schmerzen, Schlafstörungen, Stress, Überbelastung oder Vermeidung können auch zu depressiven Symptomen führen. Die orthopädische Rehabilitation sieht deshalb für einen Teil der Patient:innen Reha-Therapie-Standards vor, die auch psychologische Interventionen umfassen, insbesondere Gruppenangebote zu Stress- und Schmerzbewältigung, Entspannung und Genuss sowie die psychologische Einzelberatungen.
Intensivierte Ansätze der DRV für komorbide Rehabilitand:innen (VOR, Duale Reha)
Die Deutsche Rentenversicherung hat in Modellprojekten spezifische Leistungen der medizinischen Rehabilitation für Menschen mit psychischen und somatischen Einschränkungen entwickelt. Bei psychischen Belastungen auf dem Boden einer somatischen Erkrankung kann eine Verhaltensmedizinisch-orientierte Rehabilitation (VOR) sinnvoll sein. Dieses Angebot ist evaluiert und in der Versorgung implementiert. In einem Modellprojekt wird derzeit die Duale Rehabilitation erprobt, bei der eine gleichwertige Reha-relevante psychische und eine somatische Erkrankung fachbereichsübergreifend behandelt werden kann. PD Dr. Karin Meng hat beide Versorgungsformen wissenschaftlich evaluiert und stellt die Ansätze und Ergebnisse in ihrem Beitrag vor.
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